Die Bewältigung der Krankheit

Der Großteil der schweren psychischen Krankheiten dauert ein Leben lang mit fortwährender Verwundbarkeit, mit episodischen Rückfällen oder mit einem Einschränkungsgrad der von den jeweiligen Symptomen abhängt. Damit man Recovery verwirklichen kann, ohne daß es nur ein Traum bleibt, ist es wichtig zu lernen wie man diese Symptome beherrscht. Die Kontrolle über die eigene Krankheit ist weder einfach noch unmittelbar; dies kann weder vom Pazienten allein noch mit Hilfe des Therapeuten, des multidisziplinären Teams, den Familien und Caregivers oder sogar nur von erprobten Behandlungen erreicht werden. Nur die Synergie von all diesen Personen und Behandlungen kann einen Schutz vor Rückfällen und Einschränkungen garantieren, was wiederum Recovery ermöglicht . Eine erfolgreiche Gestaltung der Krankheit hängt von der Kompetenz des Therapeuten ab, der starke therapeutische Beziehungen schaffen und erhalten sollte. Ein wichtiger Übergangspunkt um die Krankheit zu gestalten ist es das Wissen, die Kompetenz und die Berufserfahrungen in Verständnis und Fähigkeiten der Patienten und deren Familienangehörigen zu verwandeln. Es entwickelt sich somit ein Empowermentsprozeß der Patienten und deren Familienangehörigen: sie werden von Therapeuten und professionelle Figuren der psychischen Gesundheit miteinbezogen, um als vollwertige Partner Behandlung und Rehabilitation mitzugestalten. Damit die Patienten einen erfolgreichen Weg zur Recovery bestreiten können, benötigen sie Wissen, Fähigkeiten, Training und Unterstützung, welche über die Akutphase, die Stabilisierung, die Beibehaltung und das Recovery von psychiatrischen Krankheiten hinausgehen.

Das Einbeziehen der Patienten in einer Beziehung, in der sie gut informiert werden und wo sie bei der Behandlung mitwirken können, ermutigt sie:

  • an den pharmakologischen und psychosozialen Programmen teilzunehmen

  • an den Behandlungsentscheidungen teilzunehmen

  • ihre kontinuierliche Stress-Vulnerabilität nicht zu vergessen

  • Schutz vor Stress und Vulnerabilität zu schaffen, durch:

- Unterstützung seitens des sozialen Umfelds, der Familie und der professionellen Figuren

- eine aktive Beteiligung an erprobten Behandlungen.

 

Alles was nicht geheilt werden kann, muß unterstützt werden. Während die Patienten durch die Zusammenarbeit, Unterstützung und Training seitens der professionellen Figuren lernen ihre eigene Krankheit zu bewältigen, können sie die Widerstandskraft erwerben ihre Einschränkungen zu überwinden und somit ihre Ziele zu erreichen ,die ihnen ein besseres Leben zu ermöglicht.

 

Entnommen von: „ Recovery from Disability“ Robert Paul Liberman